Wie ein typischer Arbeitstag bei CUUBUUS verläuft, welche Skills man mitbringen muss und was das Faszinierende an der Immobilienbranche ist – unsere Mitarbeiter:innen erzählen es Ihnen. Diesmal: Serap, unsere Kollegin aus dem Architektur-Team, über gelehrte Theorie an der Uni, den Hype um smarte Kleinwohnungen und warum sie froh ist, sich statt Bühne und Mikro doch für Entwurfsplanung & Co entschieden zu haben…
In der heutigen Folge sprechen wir mit

DI Serap Kaya-Firat, Architektin & Social Media Expertin
Frau Kaya-Firat, was hat sie denn in die Immobilienbranche verschlagen? Wollten sie bereits als Kind Architektin werden oder kam dieser Berufswunsch erst später auf?
Schon von klein auf war ich von kreativen Ausdrucksformen fasziniert. Neben meiner Liebe zur Musik entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Zeichnen. Studien wie Medizin oder Jus reizten mich nie, denn die Möglichkeit, meiner kreativen Ader Ausdruck zu verleihen, war stets ein wichtiger Aspekt für mich. Daher war ich zwischen einem Weg in die Musik- oder Architekturbranche hin- und hergerissen. In meiner Jugendzeit widmete ich mich sowohl dem Gesangs- und Gitarrenunterricht als auch kreativen Projekten wie der Gestaltung unseres Schulhauses, wodurch ich aktiv an dessen Umgestaltung mitwirkte. Letztendlich musste ich eine Entscheidung treffen: Gesangsstudium oder Architekturstudium. Ich entschied mich dafür, die Musik als Hobby zu bewahren, da ich befürchtete, dass sie ihren Reiz verlieren könnte, wenn sie zu meinem Beruf würde. Also begann ich mit dem Architekturstudium und fand von Anfang an großen Gefallen daran. Es fühlte sich richtig an und ermöglichte mir, meine kreative Leidenschaft auf eine neue Ebene zu heben.
Sie haben vor wenigen Wochen Ihr Masterstudium an der TU abgeschlossen, verfügen aber bereits über mehrere Jahre Berufserfahrung in unterschiedlichen Architekturbüros. Nun, jetzt als offiziell „fertige“ Architektin – würden sie sagen, das theoretisch Gelehrte ist für die gelebte Praxis nach wie vor zeitgemäß?
Die tiefergehenden Einblicke, die ich durch meine bisherige Arbeitserfahrung gewonnen habe, haben mir insgesamt das theoretische Verständnis erleichtert, insbesondere im Hinblick auf technische Zeichnungen und Details. Ob die gelehrte Theorie aus der Uni zeitgemäß für die Praxis ist, ist eine komplexe Frage. Meiner Erfahrung nach bildet die universitäre Ausbildung zwar eine solide Grundlage, jedoch ist es unerlässlich, dieses Wissen durch praktische Anwendung und Erfahrungen zu ergänzen. Die Architekturbranche ist dynamisch und erfordert ein ständiges Lernen und Anpassen an neue Technologien, Trends und Anforderungen. Daher ist es wichtig, dass die theoretische Ausbildung flexibel genug ist, um den aktuellen Bedürfnissen der Praxis gerecht zu werden und gleichzeitig die grundlegenden Prinzipien und Konzepte zu vermitteln, die zeitlos sind.
Konkret zu Ihrer jetzigen Tätigkeit bei CUUBUUS: Was genau umfasst denn Ihr Aufgabengebiet und welche Bereiche liegen Ihnen am meisten?
In meiner aktuellen Position bei CUUBUUS arbeite ich hauptsächlich an dem Projekt „DAS ARTMANN“, im denkmalgeschützten Backsteingebäude in der Ausführungsplanung und unterstütze das Team in unterschiedlichen Bereichen. Mein Aufgabenbereich erstreckt sich von der Gestaltung von Fliesenspiegeln bis hin zu kleineren Details sowie der Vorbereitung von Materialien für das Bundesdenkmalamt. In gewisser Weise bin ich also ein Allrounder. Die letzten Monate waren wir zudem mit der Planung einer Eventreihe beschäftigt, die im Dachgeschoss unseres Projekts „DAS ARTMANN“ stattgefunden hat. Dabei verantwortete ich die zeitliche Koordination sowie das Monitoring der Umsetzung durch die beauftragten Gewerke vor Ort.
Zusätzlich zu meiner architektonischen Tätigkeit bin ich auch für die Betreuung der CUUBUUS Social-Media-Präsenz, insbesondere auf Instagram, zuständig. Fotografie und Videografie haben mich schon immer fasziniert und mein Auge für Details kommt mir hierbei zugute. Diese kreative Tätigkeit schafft einen wertvollen Ausgleich zu den bautechnischen Dingen, mit denen ich mich als Architektin befasse. Beides zusammen macht meinen Job in Summe so spannend und abwechslungsreich.
Wie und wodurch sind Sie eigentlich zu CUUBUUS gestoßen? Kannten Sie unsere Projekte oder das Unternehmen bereits?
Meine Freundin Bianca, die damals selbst bei CUUBUUS als Architektin angestellt war, hat mich informiert, dass das Team erweitert und neue Stellen besetzt werden sollen.
Als ich mich Anfang 2023 entschied, mein Studium wieder aufzunehmen und meine Diplomarbeit zu beenden, war ich parallel auf der Suche nach einer Teilzeitstelle. Es war mir wichtig, zu arbeiten, dabei aber mein Studium nicht zu vernachlässigen. Ich war nicht sicher, ob es möglich sein würde, in dieser Branche eine Position mit reduzierter Stundenzahl zu finden. Doch CUUBUUS erwies sich als wahrer Glücksgriff: man zeigte sich wirklich äußerst unterstützend und ermöglichte mir, sowohl hinsichtlich Arbeitszeiten als auch Aufgaben, eine flexible Gestaltung, sodass ich parallel dazu mein Studium problemlos beenden konnte.
Interessanterweise war mir das Projekt „DAS ARTMANN“ bereits bekannt, da ich gerne entlang der Donau spaziere und es mir bei einigen meiner vielen Streifzüge schon aufgefallen war. Ich erinnere mich daran, dass ich auch die Website von CUUBUUS besucht und mir deren Projekte angesehen habe. Jedoch hätte ich nie gedacht, dass ich einmal selbst Teil der Planung sein würde. Manchmal nimmt das Leben eine faszinierende Wendung und es ist spannend, wie sich die Dinge quasi von selbst entwickeln.
Der Architektenberuf ist ja mit zahlreichen Klischees und Vorurteilen besetzt. Welche davon, würden Sie sagen, haben tatsächlich Ihre Berechtigung, und mit welchen Rollenbildern wollen sie hier und jetzt ein für alle Mal aufräumen?
Wo soll ich da nur starten? 😉 Das Klischee, dass alle Architekten ausschließlich Schwarz tragen und eher zurückhaltend in ihrem Stil sind, ist definitiv überholt. Viele aus unserer Branche sind modebewusst und schätzen vielfältige Stile in ihrer Kleidung, vielleicht nicht zuletzt, weil der Beruf des Architekten Kreativität erfordert, nicht nur in der Gestaltung von Gebäuden. Das zeigt sich mitunter auch in der Art und Weise, wie wir uns ausdrücken, oder eben in der Wahl unserer Kleidung.
Dem Klischee des hohen Kaffeekonsums kann ich leider nicht widersprechen, wobei sich dieses Phänomen eigentlich nicht nur auf die Architekturbranche beschränkt. Tatsächlich trinken Menschen aus verschiedenen Berufsfeldern und unterschiedlichen Branchen gerne und viel Kaffee, um ihre Energie zu steigern, sich zu konzentrieren oder einfach eine kurze Auszeit zu nehmen. Zudem ist im Büro oder dem sonstigen Arbeitsumfeld die Kaffeemaschine häufig zentraler Treffpunkt, an dem sich Kollegen austauschen. Daher ist das viele Kaffeetrinken nicht nur ein Architekten-Klischee, sondern vermutlich überall dort zu finden, wo viel und lange gearbeitet wird.
Zu den gängigsten Klischees und lustigsten Vorurteilen unseres Berufstands findet sich auf unserer CUUBUUS Instagram-Seite übrigens ein witziges Reel.
Was braucht man, um ein richtig gute:r Architekt:in zu werden? Also sowohl hinsichtlich der fachlichen Kompetenzen als auch auf menschlicher Ebene?
Ich finde die Kombination aus fachlichen Fähigkeiten und persönlichen Qualitäten relevant. Fachlich gesehen ist ein tiefes Verständnis für Bautechnik, Bauvorschriften, Materialien und Konstruktion von entscheidender Bedeutung. Dieses technische Wissen erweitert und vertieft sich natürlich mit zunehmender Erfahrung, grundsätzlich sollte aber der Wille, sich immer weiterzubilden, vorhanden sein. Ebenso wichtig ist Kreativität, um innovative und ästhetisch ansprechende Designs zu entwickeln, die sowohl funktional als auch optisch überzeugend sind. Die Fähigkeit, Ideen zu visualisieren und in präzise gezeichnete Pläne und Modelle umzusetzen, ist ebenfalls von grundlegender Bedeutung.
Auf menschlicher Ebene sind Teamfähigkeit, Empathie und Flexibilität immens wichtig. Architekten müssen effektiv in multidisziplinären Teams arbeiten können: Man ist nicht nur mit den eigenen Kollegen am Projekt intensiv in Kontakt, sondern darüber hinaus mit Konsulenten, Gewerken, Bauherrn oder Kunden in stetigem Austausch. Erwähnenswert ist auch der Fakt, dass wir uns in einer Welt und Zeit des ständigen Wandels befinden und daher auch eine hohe Bereitschaft zur Anpassung an sich wechselnde Anforderungen und neue Technologien sowie ein starkes Engagement für Qualität und Nachhaltigkeit haben sollten. Beharrlichkeit und kontinuierliche Lernbereitschaft runden das Profil eines erfolgreichen Architekten meiner Meinung nach ab.
bezugnehmend auf das CUUBUUS-Team – wie ist es, konkret hier zu arbeiten? Gibt es Spezifika, die dieses Unternehmen besonders machen?
Was für mich ursprünglich nur als Zwischenlösung bis zum Studienabschluss geplant war, hat sich aufgrund der familiären Arbeitsatmosphäre, der großartigen Unterstützung des Teams und der geballten Kompetenz und wertvollen langjähriger Erfahrung der Kollegen, die stets bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben, zu einem Arbeitgeber entwickelt, bei dem ich mich nicht nur rundum wohl fühle, sondern vor allem viel lernen kann.
Aktuell entwickelt CUUBUUS ja primär Wohnbauprojekte. Für Menschen zu planen, zu entwerfen und zu bauen, geht ja auch mit zahlreichen Anforderungen und zum Teil auch Einschränkungen wie baubehördlichen Vorgaben, Richtlinien in Sachen Haustechnik oder ähnlichem einher, welche dem Laien da draußen vermutlich meist gar nicht bekannt oder bewusst sind. Da heißt es dann nur „Was hat sich der Architekt bloß dabei gedacht“? Wünschen Sie sich manchmal mehr „Verständnis“? Oder sind diese Normen und Vorgaben etwas, worüber Sie sich beim Planen vielleicht sogar selbst ärgern bzw. eingeschränkt fühlen?
Vor allem an der TU Wien ist der Bezug zu den zahlreichen Anforderungen der „realen“ Welt beim Entwerfen sehr gering. Der Fokus wird auf die Kreativität gelegt und wir durften uns bei unseren Konzepten regelrecht „austoben“. Mit meinem Berufseinstieg und der Tätigkeit in der Arbeitswelt an „echten“ Projekten war für mich dieser Übergang sehr schwer und ich habe mich damals des Öfteren darüber geärgert, dass die Uni uns nicht besser auf diese „harte Realität“ vorbereitet hat. Als ich nach meiner dreijährigen Studienpause an die Uni zurückgekehrt bin und damit wieder begonnen habe, im Rahmen meines Studiums etwas zu entwerfen, habe ich gemerkt, wie sehr mir diese Entwurfsfreiheit gefehlt hat. 😊 Natürlich ist es wichtig, einen bestimmten Rahmen zu haben, nach dem man sich richten soll, da ein Projekt vor allem mit den Vertiefungsphasen zunehmend komplexer wird. Dennoch ärgert es auch mich manchmal, da der Entwurf dadurch natürlich eingeschränkt wird.
Zurück zur Erfüllung und Freude, die dieser Beruf mit sich bringt: Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Tun?
Ich bin generell eine Person, die neue Herausforderungen mit großer Begeisterung und Engagement annimmt. Die Architekturbranche empfinde ich als sehr abwechslungsreich – einen Tag ist man auf der Baustelle, am anderen Tag zeichnend im Büro. Dabei ist man stetig in Kontakt mit anderen Personen. Man arbeitet an unterschiedlichen Projekten und mit jedem einzelnen lernt man etwas dazu. Vor allem faszinierend finde ich den Aspekt, dass die Zeichnungen mit der Zeit und mit weiterem Verlauf der Projektphasen detaillierter gezeichnet und letztendlich auch so gebaut werden. Was es anfänglich nur auf dem Papier gibt, kann man in nur wenigen Monaten schon mit dem Auge ansehen und angreifen.
Welches Projekt möchten Sie in Ihrer zukünftigen Laufbahn auf jeden Fall mal umsetzen? Oder gibt es ein Werk aus der Vergangenheit, wo Sie sagen: Wow, ich wünschte, das hätte ICH entworfen!
Es gibt natürlich Werke, von denen auch ich fasziniert bin. Dennoch würde ich mir nicht wünschen, diese entworfen zu haben. Ich finde, Architektur ist sehr vielseitig und jeder Entwurf ist eigentlich individuell und speziell von diesem Architekten. Dass ich etwas dann selbst genau so machen würde, ist daher eher unwahrscheinlich.
Generell finde ich aber Museumsbauten immer sehr interessant. Das Raumkonzept spielt eine immense Rolle in der Wahrnehmung der Ausstellungen. In meinem Bachelorstudium hatte ich als Abschlussprojekt ein Science Research Center mit einem Museum entworfen. Seither ist es auf alle Fälle mein Traum, irgendwann etwas in diese Richtung zu machen und die Besucher mit den architektonischen Elementen wie Raumhöhen, Lichteinfälle, Wegführungen, etc. zum Staunen zu bringen.
Abgesehen von Gebäuden, wie sieht Ihrer Einschätzung nach das Wohnen und Leben der Zukunft aus? Gibt es hier irgendeine Tendenz?
Ich habe das Gefühl, dass die Wohnflächen der Haushalte von Jahr zu Jahr reduziert werden. Es gibt aktuell einen Hype auf kleine, smarte Wohnungen mit gemeinschaftlich genutzten Flächen. Für mich privat bin ich davon kein großer Fan. Mir war es sehr wichtig, in meiner Wohnung ausreichend Wohnfläche, große Fenster und hohe Decken zu haben, weswegen ich mich dann letztendlich auch für eine Altbauwohnung entschieden habe. Interessanterweise zeigt sich daran, dass die Qualität, die in der früheren Zeit als normal empfunden wurde, heute eher als Luxus betrachtet wird.
Und abschließende Frage: Leben Sie selbst in einer „typischen“ Architektenwohnung? Gibt es so etwas überhaupt? 😉
Interior Design interessiert mich tatsächlich sehr. Genau wie bei der Frage mit dem Wow-Effekt bei Werken anderer Architekten, würde ich auch hier meinen, dass es nicht eine „typische“ Architektenwohnung gibt. Jeder Mensch hat andere Vorlieben und unterschiedliche Geschmäcker. Was ich auf jeden Fall bestätigen kann, ist, dass wir uns viel mehr Gedanken übers Wohnen, Gestalten und Einrichten machen. So habe ich mir zum Beispiel sehr viel Zeit gelassen bei der Auswahl meiner Möbel. Und auch meine Gäste, die mich zum ersten Mal besuchen, meinen, man sehe, dass hier ein Architektenpaar wohnt. 🙂
Vielen Dank für das nette Gespräch und die interessanten Einblicke!